The Moyen Age - Patience & Trust - Am 29.Oktober 2010
The Moyen Age - Patience & Trust - Am 29.Oktober 2010
In Zeiten, in denen die einstmals so wunderbare Bedeutung der Langspiel-Platte gefühlt gegen Null tendiert, ist es immer eine Wohltat ein Album vorzufinden, das keine bloße Ansammlung von Gebrauchsmusik um ein oder zwei nach Aufmerksamkeit heischende „Hits“ ist.
THE MOYEN AGE , bestehend aus den Hamburgern Dirk Simmig ( ex-GUILTY FEET und im Studio u.a. schon für Arbeiten von SPORT und SUPERPUNK verantwortlich) und Andi Künnecke (ex-BOY DIVISION, KÜNNECKE & SMUKAL) hatten hier den ganz langen Atem und eine für das emotional sowieso eher fremd gewordene „Indiehausen“ kühne Vision. Aber der Reihe nach...
Nachdem ihre früheren Veröffentlichungen trotz Kritikerlob beinahe aller Magazine in den Regalen weitgehend unbeachtet liegen blieben, schrieben THE MOYEN AGE über die letzten Jahre Songs in aller Stille, ohne dabei zunächst an konkrete Umsetzungen zu denken.
Die Frage stellte sich, welchen Weg man gehen kann als Popkünstler im weitesten Sinne, wenn man um die 40 ist und die Dinge, die wichtig erscheinen weiterhin relevant und konsequent abgebildet werden sollen.
Irgendwann erkannten beide (denen gewisse Begleiterscheinungen dessen, was in Ermangelung eines eleganteren Begriffs bislang als „Midlife Crisis“ firmiert, mittlerweile nicht mehr gänzlich fremd waren), dass manche dieser Songs wie bestimmt schienen für eine Art (Achtung!) „Konzeptalbum“ zu eben diesem Thema.
Gesagt, getan – und so kristallisierte sich zunehmend ein wunderschöner, geradezu impressionistischer Songreigen heraus, der uns mit auf die Reise eines autobiografisch wie auch fiktiv anmutenden Charakters nimmt; von der nervösen Stadtflucht auf die Insel über diverse dunkle Zustände, Selbsterkenntnisse und Traumgebilde, hin zu einer Art Arrangement mit der Wirklichkeit.
Von desillusioniert bis hin zu doch vielleicht am Ende aufgeräumt genug, um die Zumutungen unserer Zeit sowie die eigenen Unzulänglichkeiten zu ertragen, ohne in ein übersimplifizierendes „Life’s good“ zu verfallen.
Songs und Arrangements tragen diesem Prozess zwanglos Rechnung – zwischen orchestral und intim, experimentellem Intermezzo und beseeltem Pop.
Reinhören hier
THE MOYEN AGE
Sonntag, 26. September 2010